Filme auf Knopfdruck, virtuelle Schauspieler und Werbung, die dich besser kennt als manche Freunde: Vieles spricht dafür, dass sich unsere Filmabende in den nächsten 25 Jahren drastisch verändern werden. Doch bei aller Technik könnte eine Sache erstaunlich konstant bleiben. 

 

Ein stinknormaler Freitagabend im Jahr 2050. Du kommst nach Hause, lässt dich aufs Sofa fallen und hörst eine freundliche Stimme aus dem Wohnzimmer: Deine KI fragt: "Möchtest du heute eher einen Thriller mit der 28-jährigen Sandra Bullock, ein Sci-Fi-Abenteuer mit dem digitalen Humphrey Bogart oder die romantische Komödie, die ich gestern speziell für dich erstellt habe?" Du entscheidest dich für den Thriller. „Gut“, antwortet die KI. „Soll die Hauptfigur gewinnen oder scheitern? Und darf der Hund überleben?“

 

Klingt verrückt? Vielleicht. Aber wenn wir ehrlich sind: Hätte uns jemand im Jahr 2000 erzählt, dass wir Tausende Filme und Serien jederzeit auf dem Smartphone, Fernseher oder Tablet streamen würden, hätten wir vermutlich ähnlich skeptisch reagiert. Wie also könnte unser Filmabend im Jahr 2050 aussehen? Hier sind einige Entwicklungen, die wir für durchaus wahrscheinlich halten.

 

Die KI wird zum persönlichen Programmchef

 

Heute verbringen viele Menschen mehr Zeit mit der Auswahl eines Films als mit dem eigentlichen Anschauen. Die schiere Menge an Inhalten kann manchmal überfordern. Bis 2050 dürfte künstliche Intelligenz dieses Problem deutlich entschärfen. Anstatt durch endlose Menüs zu scrollen, könnte eine KI unsere Vorlieben, Gewohnheiten und sogar unsere aktuelle Stimmung berücksichtigen. Sie weiß vielleicht, dass wir freitagabends lieber lachen, sonntags gern Dokumentationen schauen und nach einem verlorenen Fußballspiel eher keine Tragödien sehen möchten.

Statt hunderter Vorschläge gibt es dann vielleicht nur noch einen einzigen: „Das hier solltest du heute sehen.“ Bequem? Absolut. Ein wenig unheimlich? Vielleicht auch.

 

Jeder sieht eine andere Version desselben Films

 

Schon heute experimentieren Entwickler und Produzenten mit personalisierten Inhalten. Bis 2050 könnte daraus etwas entstehen, das wir bislang nur aus Science-Fiction kennen. Stell dir vor, du schaust einen Krimi. Dein Nachbar schaut denselben Film – und erlebt trotzdem eine andere Geschichte. In deiner Version entkommt der Täter. In seiner wird er gefasst. Vielleicht entscheidet sogar der Zuschauer selbst, ob eine Geschichte eher romantisch, spannend oder humorvoll erzählt werden soll.

Puristen werden bei dieser Vorstellung vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Schließlich lebt Kunst auch davon, dass alle dieselbe Geschichte erleben. Andererseits: Wer hat sich nicht schon einmal über ein Filmende geärgert und gedacht: „Das hätte man auch besser lösen können“?

Produziert die KI bald komplette Filme?

Das ist wahrscheinlich die spannendste Frage. Schon heute können KI-Systeme Bilder erzeugen, Stimmen imitieren und kurze Videos erstellen. Die Qualität steigt rasant. Bis 2050 könnte es technisch möglich sein, komplette Filme auf Wunsch zu generieren. Du gibst ein:

 

„Eine Action-Komödie in Berlin. Zwei ungleiche Freunde. 90 Minuten. Humor wie in den 2000ern. Happy End.“

Wenige Sekunden später startet dein persönlicher Film. Doch hier ist Vorsicht angebracht. Denn nur weil etwas technisch möglich ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es die besten Geschichten hervorbringt. Die größten Filme der Geschichte wurden nicht deshalb erfolgreich, weil ein Algorithmus sie berechnet hat. Sie wurden erfolgreich, weil kreative Menschen überraschende Ideen hatten, Risiken eingingen und Emotionen erzeugten. 

 

Deshalb erscheint ein anderes Szenario wahrscheinlicher: KI wird Filmemacher unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen. Zumindest nicht so schnell. 

 

Schauspieler könnten unsterblich werden

 

Ein weiteres Thema sorgt schon heute für Diskussionen. Was passiert, wenn digitale Versionen von Schauspielern immer realistischer werden? Im Jahr 2050 könnten berühmte Darsteller möglicherweise noch Jahrzehnte nach ihrem Karriereende oder sogar nach ihrem Tod in neuen Produktionen auftreten. Die Technologie dafür entwickelt sich bereits. Fans könnten ihre Lieblingsstars immer wieder auf der Leinwand erleben. Gleichzeitig entstehen neue Fragen:

Wer besitzt eigentlich das digitale Abbild eines Menschen?

Wer entscheidet über dessen Einsatz?

Und wo verläuft die Grenze zwischen Hommage und Missbrauch?

Die Technologie wird vermutlich kommen. Die gesellschaftliche Debatte darüber dürfte sie noch lange begleiten.

 

Filmabende werden wieder sozialer

 

Während Streaming lange Zeit vor allem ein individuelles Erlebnis war, könnte sich der Trend künftig teilweise umkehren. Schon heute schauen Menschen gemeinsam Videos, kommentieren Inhalte in sozialen Netzwerken oder veranstalten virtuelle Watch-Partys. Bis 2050 könnten solche Erlebnisse deutlich immersiver werden. Vielleicht sitzt dein bester Freund zwar in Madrid, deine Schwester in Stockholm und dein Sohn in Sydney – aber während des Films habt ihr trotzdem das Gefühl, gemeinsam auf derselben Couch zu sitzen.

Virtuelle Räume, Avatare und neue Kommunikationsformen könnten gemeinsames Fernsehen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Denn bei aller Technik bleibt eine Erkenntnis erstaunlich konstant: Menschen teilen gute Geschichten gern mit anderen. 

 

Die Werbung der Zukunft kennt dich sehr genau. 

 

Kommen wir zu einem Thema, das viele Zuschauer vermutlich mit gemischten Gefühlen betrachten, aber das Erlösmodell von wedotv ist: Werbung. 

 

Auch im Jahr 2050 wird sie wahrscheinlich nicht verschwunden sein. Vor allem kostenlose Streaming-Angebote werden weiterhin auf Werbefinanzierung setzen. Der Unterschied: Werbung könnte deutlich relevanter werden. Statt wahlloser Anzeigen könnten Zuschauer nur noch Spots sehen, die tatsächlich zu ihren Interessen passen. Das klingt zunächst angenehm. Die Kehrseite ist offensichtlich.

Je besser Werbung auf Menschen zugeschnitten wird, desto mehr Daten werden benötigt. Deshalb wird die Frage nach Datenschutz und Privatsphäre in den kommenden Jahrzehnten vermutlich noch wichtiger werden als heute. Die Herausforderung wird darin bestehen, Komfort und Datenschutz in ein vernünftiges Gleichgewicht zu bringen.

 

Was sich wahrscheinlich nicht ändern wird

 

Bei all den technologischen Entwicklungen lohnt sich ein Blick auf das, was erstaunlich beständig bleibt: Menschen lieben Geschichten. Sie wollen lachen, mitfiebern, sich erschrecken, weinen oder über das Ende diskutieren. Ob diese Geschichten über einen Fernseher, eine AR-Brille, ein holografisches Display oder eine KI-generierte Plattform konsumiert werden, ist letztlich zweitrangig.

Die Technik verändert sich, Die menschliche Neugier nicht.

 

Fazit: Die Zukunft wird anders – aber nicht völlig fremd

 

Wie genau ein Filmabend im Jahr 2050 aussehen wird, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich werden künstliche Intelligenz, personalisierte Inhalte und neue Formen des gemeinsamen Fernsehens unseren Medienkonsum stärker verändern, als wir es uns heute vorstellen können. Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass Streaming nicht verschwindet, sondern sich weiterentwickelt. Vielleicht suchen wir künftig keine Filme mehr aus. Vielleicht werden sie für uns erstellt. Vielleicht schauen wir sie mit Freunden auf verschiedenen Kontinenten gleichzeitig. Vielleicht erleben wir sogar unterschiedliche Versionen derselben Geschichte.

Doch eines dürfte auch 2050 noch gelten: 

Eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte. Und genau deshalb werden Menschen auch in Zukunft begeistert vor Bildschirmen sitzen – ganz gleich, wie diese dann aussehen.